Das Berliner Galgentrio präsentierte am Samstag seine Weltpremiere auf der Bühne Fasson.

Gestandenes Trio mit Bussiplan

March-Anzeiger und Höfner Volksblatt

«Unsere Weltpremiere war in Lachen» - für diese Aussage und einen perfekt humoristischen Abend reiste das Galgentrio am Samstag aus Berlin an und spielte sein neustes Programm «Männer geben Auskunft» erstmals überhaupt auf der Bühne Fasson. Einst hätten die Kerle auf den Bäumen gehockt, startete das Trio provokativ, «haben mit Kopf und Mund den Fortschritt geschaffen… Doch sind sie im Grunde immer noch die alten Affen.»

Publikum schnell für sich gewonnen

Frech, sprühend, wortgewandt und süffig gaben die drei Männer Auskunft über ihre Welt, über Frauengeschichten, Glück, Tango und Blues. Zum dritten Mal waren die drei geistreichen Berliner in Lachen zu Gast und gewannen ihr Publikum erneut bereits mit den ersten Sätzen und Tönen. Alte Liebe rostet nicht Das Gefühlsleben gestandener Männer, betört durch die Frauenbrust, Alkoholdunst und den ultimativen Blues, swingte durch den Abend. Mal melancholisch oder bissig, lässig und neckisch, und überhaupt, wie funktioniert der Bussiplan? Alte Liebe rostet nicht, wissen Nagel und Schraube aus eigener Erfahrung. Treue ist mit 70 nicht so schwer, doch was ist mit 20, bitte sehr? Bläschen machen unter Wasser, der Monolog in der Badewanne entbehrt jedes Hosensacks, und der dichterische Nikotinverzicht zieht in die Pause. Karrieren ziehen durch den Hintern, und immer wieder betört der Blues.

Lang, dick und dünn

«Ein Langer, ein Dicker und ein Dünner», beschreibt das Trio sich selbst. Der Schauspieler und Regisseur Jörg Kleinau (der Lange), der Musiker und Schauspieler Wolf- Dietrich Griep (der Dicke) sowie Komponist, Musiker und Schauspieler Wolf Butter (der Dünne) spielen sich seit 1995 von einem zum nächsten Erfolg. Ihre typische Berliner «Schnauze» pfeffert die gekonnt ausgewählten Texte zusätzlich. Die Weltpremiere ist auch heuer mehr als gelungen.

 

Lachen - Sonntag, 8. März 2009 06:40

Ganz ohne Weiber geht die Show'se nicht

Von: Marie-Eve Hofmann-Marsy

Ein Langer, ein Dicker und ein Dünner - das sind Wolf Butter, Jörg Kleinau und Wolf-Dietrich Griep. Zusammen sind sie das Galgentrio mit typisch Berliner Schnauze, das Weltliteratur im Kleinkunstformat auf eigenwillige Weise interpretiert. Die Premiere des neuen Programms feierte das Trio am vergangenen Freitagabend in der bühne fasson Lachen - mit grossem Erfolg.

Bittersüsse bis deftigschwarze Interpretationen über das weibliche Geschlecht - das Galgentrio aus Berlin. (Bild: mem)

Der diesjährige und wieder sehr hochkarätige Veranstaltungsreigen der Lachner Kulturgruppe 'Begägnig am Sey' begann am Freitagabend, 6. März 2009 gleich mit einer Weltpremiere. Das berühmte Galgentrio aus Berlin, das bereits im Oktober 2006 mit seinem Wilhelm-Busch-Programm in Lachen einen grossen Erfolg feierte, war sowohl vom Ambiente der bühne fasson als auch vom Publikum und der anschliessenden Aftershowparty an der Bar so begeistert, dass die Gruppe ihre Premiere 'Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht' unbedingt in Lachen feiern wollte. "Es ist schon sehr sehr aussergewöhnlich, dass die Dreiergruppe extra aus Berlin nach Lachen fährt, um hier die Premiere abzuhalten - und morgen gleich wieder zurückreist." freut sich Peter Züger, Präsident der Kulturgruppe und begrüsst die Künstler mit einem herzlichen "Hals- und Beinbruch - Galgentrio!".

Musikalische Verwöhnpausen zwischen bittersüssen Texten

Schon der Beginn liess erahnen, welch bittersüsse, bitterböse, meist aber liebevoll verpackte Seitenhiebe, wenn sie nicht gerade mit rabenschwarzem Humor versetzt waren, das weibliche Geschlecht an diesem Abend erwartete. "Meine Herren. Frauen sind keine Engel! Sie sind die Juwelen der Schöpfung: Man muss sie mit Fassung tragen." Die Annäherung an das Thema Frau geschah aus den verschiedensten Blickwinkeln und auf unterschiedlichste Arten. Gesungen, gesprochen, in Reimform oder Prosa, Kurzgeschichten oder Lieder, zum Mitlachen oder melancholisch nachdenklich - alles drehte sich um die holde Weiblichkeit. Und zwischen den pfiffigen Texten von Kurt Tucholsky, Ringelnatz und Erich Kästner als geistliche Verdauungspausen instrumentale Stücke, gekonnt auf Schlagzeug, Bass, Klarinette und Klavier gespielt.

Männerphantasien und -alpträume

Ein amüsanter Diskurs über den ach so geplagten Ehemann beim gemeinsamen Shoppen geht über zu den unerfüllten Männerträumen. "Man möchte immer eine grosse Lange und dann bekommt man eine Dicke - c'est la vie!". Das in Frack verpackte Männertrio, das sich nach seinen Soli stets wieder um den runden Bartisch versammelt und sich einen rechten Schluck des guten Rotweines einverleibt, schwadroniert ebenso offen über das Treiben der Eltern, wenn Kinder ins Bett müssen "Sex ist gut und wichtig - für Katze, Bär, Eber und Maus, vorausgesetzt man macht's auch richtig!" wie über die so wundersame Wandlung eines Freudenhäuschens in einen ehrbaren Tempel der freien Liebe. Szenen in der Singlebar "Und sie drückt ihn zielbewusst an die kuhstallwarme Brust!" wechseln sich mit deftigen Ansichten über peinliche Blähungen, aus der Form geratene Ehefrauen und indiskreten Nahaufnahmen ab "Wenn man das Näschen seiner Geliebten durch ein Vergrösserungsgläschen beschaut, sieht man Berge von Haare - dass es einem graut!".

Dick oder dünn, das ist hier die Frage

Gründe für Seitensprünge "Es gibt im Leben Augenblicke, da hat der Gatte die Gattin dicke!" variieren mit feinsinnigen Betrachtungen über den weiblichen Leibsumfang "Heute dünn, morgen dick, das ist das weibliche Geschick." oder noch deftiger "Die dicke Frau trägt ein Korsett, sonst kratzt ihr Busen das Parkett." Auch die groteske, rabenschwarze Krimitragikomödie und die eigenwillige Hamlet-Interpretation mit dem betrunkenen Geist in Toggenburg hatten ebenso ihre Reize wie der missglückte Seitensprung des Philologen, die angepriesenen Vorzüge eines älteren Mannes oder die schlichte, aber doch sehr treffende Weisheit: "Ich glaube, manche Frau würde vor Glück zerspringen, würde der Klapperstorch zum Kind ihr auch den Vater bringen." Grandioser Abschluss dieses so überaus amüsanten Abends, wenn auch manch allzu direkte Aussage nicht immer leicht zu schlucken war, machte das gemeinsam von Akteuren und Publikum gesungene Lied "Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht". Und dieses Fazit versöhnte schlussendlich dann doch noch das weibliche Geschlecht mit dem deftigen Männerhumor.

Der Abend endete nach begeistertem Applaus mit einer Premierenfeier an der Bar der bühne fasson und das Galgentrio liess es sich nicht nehmen, sein Publikum mit weiteren musikalischen Leckerbissen zu verwöhnen.

 

12.01.2009, LOHR

"Galgen-Trio": Wilhelm-Busch-Satiren und Swing

(ta) Eines steht nach dem musikalisch-literarischen Abend "Na dann Prost" am Sonntagabend zweifelsohne fest: Das Berliner Theater "Galgen-Trio" und Wilhelm Busch passen famos zusammen. Profi trifft Profis. Die prächtig gelungene Veranstaltung im Alten Rathaussaal, initiiert vom Kulturamt Lohr, war eine Reminiszenz an den vor 175 Jahren geborenen und fast auf den Tag genau vor 101 Jahren verstorbenen Dichter und Karikaturisten Wilhelm Busch.
Sein rund anderthalbstündiges Programm läutete das "Galgen-Trio" musikalisch ein. Der Lange, Jörg Kleinau, schmetterte "Als ich ein kleiner Junge war, war ich ein kleiner Lump". Auf dem Flügel begleitet wurde er von dem Dünnen, Wolf Butter, und von Wolf-Dietrich Griep, dem Dicken, am Kontrabass. Mit dem Auftakt war klar, um welches Thema sich der Abend ranken würde und dass dieses keineswegs eines von gestern war. Präzisieren wir es mit folgendem Busch-Zitat: "Der schlimmste Feind, das merkt euch wohl, das ist und bleibt der Alkohol. Doch in der Bibel steht geschrieben, du sollst auch deine Feinde lieben." Oder wir halten es mit der Busch-Figur Matthias Knopp: "Was bin ich ein alter Bösewicht. Ein leeres Glas gefällt mir nicht." Na dann Prost!

Versprochen hatten die Berliner Künstler "eine humorvolle und schwungvolle Begegnung mit der einzigartigen Weltliteratur Buschs". Sie hielten Wort. Zur Begeisterung der rund 40 Zuhörer gediehen die Bühnen-Dinge trefflich. "Bravo"-Rufe schallten durch den Rathaussaal, oder "Das ist stark!"

Ihrem Publikum begegnen die Künstler mit einem respektvollen Augenzwinkern. Sie selbst sind nahbar; ihre Gäste beziehen sie in ihr Programm ein. Mit scheinbarer Leichtigkeit, grandioser Mimik und Gestik arbeiteten die Schauspieler Figuren heraus, welche Busch so akribisch wie satirisch aufs Korn genommen hat: besagten Matthias Knopp zum Beispiel, die fromme Helene ("Hilflos und voll Angstgewimmer, verkohlt das fromme Frauenzimmer."), den gehorsamen Sohn Hieronymus, den Pfarrer zur bösen Fastenzeit. Wäre da noch der Herr Pille zu nennen: "20 Flaschen Busenfreund trägt er in seinem Korb vereint." Die Moral von der Geschicht?? Keine! Höchstens die: "Es ist halt so, dass ich so bin." - "So stellt sich ganz zum Schluss heraus: Ich bin ein ganz famoses Haus."

Etwas anders verhält es sich da bei dem schadenfrohen Mädchenpaar Fanny und Nanni. Hoch den Zeigefinger! "Man sieht, dass es Spektakel gibt, wenn man sich durcheinander liebt." Ähnlich geschehen bei Studiosus Döppe und der Witwe Pauline.

Der zweite Teil des Abends stand im Zeichen der Musik. In ihr ist das "Galgen-Trio" so sicher zu Hause wie im gesprochenen Wort. Drei Vollblüter ließen den Rathaussaal swingen. Seit 1982 arbeiten sie zusammen. "Wir haben unser gemeinsames künstlerisches Zuhause gefunden", erzählen sie nach der Vorstellung. "Glück" nennen sie es. Da kommt ein ungemein sympathisches und menschliches Ensemble daher. Die Harmonie im Team ist erkennbar; sie ist einer der Garanten für den Erfolg. Ach ja, der Name "Galgen-Trio": Er hat etwas mit den Galgenliedern von Christian Morgenstern zu tun.

Zur Person

Wolf Butter ist Komponist, Musiker, Regisseur, Schauspieler. Er hat Engagements in der Berliner Volksbühne und im Berliner Ensemble und unterrichtet Schauspielkunst in Berlin und am Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Jörg Kleinau ist Regisseur und Schauspieler am Berliner Hansa Theater und beim Berliner Ensemble. Er wirkte bereits in zirka 180 Fernsehserien mit. Wolf-Dietrich Griep ist Musiker, Schauspieler und Produzent. Engagements hatte er unter anderem am Theater Schwedt in Frankfurt/Oder, am Palast der Republik, beim Kabarett "Distel" und im Berliner Ensemble.

Musikalisch-literarische Weinprobe

Rheingau Musik Festival

Galgen-Trio: Wolf Butter, Jörg Kleinau, Wolf-Dietrich Griep, Wolfgang Schleicher, Weinpräsentation

Seinem 100. Todestag gedenkt nicht nur die literarische Welt in diesem Jahr: Wilhelm Busch hat mit seinen Bildergeschichten, seinen augenzwinkernden Weisheiten, seinen Satiren und Gedichten einen unermesslichen Schatz hinterlassen, aus dem man in beinahe allen Lebensbereichen schöpfen kann. Besonders angetan hatten es ihm die Laster aller Art, denen jeder frönt und die den Menschen nicht unbedingt nur unglücklich machen. Der Wein gehört an vorderster Stelle mit dazu! "Den Lasterhaften tadelt oft, wer ihn beneidet", philosophierte Busch, dessen berühmt-berüchtigte Bildergeschichten in dieser musikalisch-literarischen Weinprobe durch das Galgen-Trio lebendig werden. Ein Langer, ein Dicker und ein Dünner im Frack setzen die Texte über die Schwächen und Laster der Anderen in Szene. Und während der Zuschauer sich noch mit Busch einig ist - "Da bin ich wirklich froh! denn Gott sei Dank! Ich bin nicht so!" -, muss er die ein oder andere Selbsterkenntnis vielleicht doch eingestehen.